15. September 2023 | Ankündigung: Tagung "Reconstruction of Religious Buildings in 20th and 21st century Europe"

  Ornamentierte Innenansicht der Pendentifkuppel der wiederaufgebauten Ferhadija-Moschee in Banja Luka © Petar Milošević (mod.)  

Reconstruction of Religious Buildings in 20th and 21st century Europe – Monuments, Heritage, Identity

Internationale Tagung, 25. und 26. September 2023

Der Brand, der Notre-Dame de Paris im Jahr 2019 zerstörte, das Erdbeben, das 2009 die Basilika von L'Aquila stark beschädigte, oder der derzeitige verheerende Krieg in der Ukraine  die Fragilität historischer Sakralbauten wirft immer wieder die Frage auf, warum und wie die zerstörten Gebäude wieder aufgebaut werden sollen. In den vergangenen Jahrhunderten war die Zerstörung einer Kirche oder Kathedrale ein Anreiz, mit dem Bau eines völlig neuen Gebäudes zu beginnen. Mehrere gotische Kathedralen wurden errichtet, nachdem ihre Vorgängerbauwerke durch Feuer vernichtet worden waren. Ein Wandel in der Herangehensweise ist im modernen Europa nach 1800 erkennbar; eine Verbindung zwischen dem historischen religiösen Bauwerk und der nationalen Identität ist bei vielen Restaurierungsprojekten des 19. Jahrhunderts von erheblicher Bedeutung, als die Restaurierung historischer Kirchen und Kathedralen auf die Errichtung eines vermeintlichen Ideals hinarbeitete.

Europa hat sich im zwanzigsten Jahrhundert durch Kriege, Säkularisierung sowie durch den Aufstieg und Fall des Sozialismus tiefgreifend verändert. Im Hinblick auf die Restaurierung historischer Gebäude sind das Aufkommen der Moderne, die Verabschiedung der Charta von Athen (1933) und der Charta von Venedig (1964) von Bedeutung. Ob und wie historische Gebäude wiederaufgebaut wurden, ist ein spürbarer Bestandteil dieser Veränderungen. Die Erklärung, warum diese Gebäude restauriert oder rekonstruiert wurden, lässt sich nicht (nur) mit dem Bedarf nach einem Ort für Anbetung erklären. Die Entscheidung für einen Wiederaufbau wurde oft aus anderen Gründen getroffen: um ein Denkmal oder eine historische Stätte wiederzubeleben oder neu zu schaffen, die für die Zukunft prägend sein könnte.

Ob und wie historische Kirchen, Synagogen, Moscheen und andere religiöse Gebäude wiederaufgebaut werden sollten, ist nach dem Brand von Notre-Dame in Paris und dem anhaltenden Krieg in der Ukraine wieder aktuell. Gleichzeitig gibt es eine wachsende Debatte darüber, wie dieser Wiederaufbau erfolgen sollte, wobei Notre-Dame das markanteste Beispiel ist. Die aktuelle Polemik um den Wiederaufbau, der unter anderem in Paris und Potsdam stattfindet, lässt sich als Konflikt zwischen Funktionalität und Konnotation als Ort der Anbetung, als Konflikt zwischen der Veränderung der bestehenden Situation durch den beabsichtigten Wiederaufbau eines historischen Zustands und der Art und Weise, wie dieser Wiederaufbau durchgeführt wird, zusammenfassen. Die Herangehensweise an das Problem, warum und wie die zerstörte Kirche wiederaufgebaut werden soll, hat sich im heutigen Europa durch politische und religiöse Veränderungen sowie durch ein weiterentwickeltes Verständnis der Restaurierungsmethodik gewandelt. Durch den Blick über die nationalen Grenzen hinaus soll diese Konferenz zu einem besseren Verständnis der Restaurierungen und der aktuellen Polemiken beitragen.

Diese hybride Konferenz wird Expert*innen für Architektur- und Kunstgeschichte, Architektur und Denkmalpflege aus mehreren europäischen Ländern wie Deutschland, Belgien, Frankreich, Estland, Litauen, Schweden, der Tschechischen Republik, Ungarn, Bosnien-Herzegowina und der Ukraine zusammenbringen. Durch die Zusammenführung von Referent*innen aus verschiedenen Ländern sollen in einem akademischen Rahmen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Herangehensweise an den Wiederaufbau historischer religiöser Bauten aufgezeigt werden.

 

Datum und Ort

25. und 26. September 2023

RWTH Aachen University, Lehrstuhl für Architekturgeschichte, Schinkelstr. 1
Lehrstuhlbibliothek, zweites Obergeschoss, R 215

Es besteht außerdem die Möglichkeit, online an der Tagung teilzunehmen.

Registrierung

Zur Registrierung und für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte .

Tagungswebsite und -programm

http://reconstruction.arch.rwth-aachen.de (en)

Organisation

Marcus van der Meulen
Jordi Mallarach
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Anke Naujokat