9. Juni 2019 | Exkursion Edinburgh und Glasgow

  Panorama Edinburgh © Anina Janich  

Enlightened and Industrious. Pfingstexkursion nach Edinburgh und Glasgow


Bedingt durch die Union of Crowns von 1603 und die Union of Parliaments von 1707 entstand aus den Bautraditionen Englands und Schottlands gegen Ende der frühen Neuzeit eine gemeinsame, allgemein britische Architektursprache. Dennoch bewahrte sich die Architektur Schottlands gegenüber derjenigen Englands auch weiterhin eine gewisse Eigenständigkeit, die nicht nur dem Nachwirken bestehender Bautraditionen, der Verfügbarkeit anderer Baumaterialien sowie abweichenden klimatischen beziehungsweise topographischen Bedingungen geschuldet war, sondern vor allem in den Städten der Central Lowlands auch ein für das damalige Großbritannien ungewöhnlich fruchtbares geistiges Klima widerspiegelte. Die Pfingstexkursion des Jahres 2019 war daher unter dem Motto 'Enlightened and Industrious' der Architektur des 17. bis frühen 20. Jahrhunderts zwischen Edinburgh und Glasgow gewidmet.

Dabei standen zunächst Gebäude im Vordergrund, die zeigten, wie auch in Schottland allmählich der klassische Formenkanon in die Architekturentwicklung Einzug hielt, wie sich auf dieser Basis die Ideen des Palladianismus herausbildeten, wie sich der im Zuge der Aufklärung aufgekommene rationale Blick auf die Welt in neuen urbanistischen Initiativen manifestierte und wie insbesondere in Edinburgh das Selbstverständnis als intellektuelles Zentrum immer wieder zu Rückgriffen auf die Architektur des antiken Griechenlands führte.

Im zweiten Teil konnten wir nachzeichnen, wie sich im 19. Jahrhundert durch die neu verfügbaren Materialien Stahl und Glas innovative architektonische Ideen herausbildeten, wie die Architektur auf die mit der Industrialisierung einhergehenden sozialen Probleme reagierte und wie im Historismus die Auseinandersetzung mit der schottischen Architekturgeschichte zu ungewöhnlichen – und andernorts in dieser Form nicht vorstellbaren – Lösungen führte. Und schließlich konnten wir das Werk Charles Rennie Mackintoshs genauer kennenlernen, der traditionelle schottische Architekturformen mit Einflüssen vom Kontinent und eigenen künstlerischen Ideen zu einer vollkommen singulären Spielart des Jugendstils verband.

Das Besichtigungsprogramm ermöglichte dem Lehrstuhl und seinen Studierenden auf diese Weise nicht nur eine für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer erstmalige Begegnung mit einem oft übersehenen, aber dennoch integralen Teil der europäischen Architekturentwicklung. Gerade die Beschäftigung mit dem Werk Charles Rennie Mackintoshs mündete auch bereits während der Exkursion zu dem Entschluss, die Frage nach dem Wiederaufbau von Mackintoshs wichtigstem Werk, der Glasgow School of Art, im Rahmen eines inzwischen erschienenen Beitrags für die Zeitschrift Bauwelt nochmals genauer zu untersuchen.

 

 
 

Ansprechpartner

Dr.-Ing. Tobias Glitsch