14. Februar 2019 | Ankündigung: Pfingstexkursion

  Panorama Edinburgh © Carlos Delgado (mod.)/AGes  

Enlightened and Industrious. Pfingstexkursion nach Edinburgh und Glasgow

 

Bedingt durch die Union of Crowns von 1603 und die Union of Parliaments von 1707 entstand aus den Bautraditionen Englands und Schottlands gegen Ende der frühen Neuzeit eine gemeinsame, allgemein britische Architektursprache. Dennoch bewahrte sich die Architektur Schottlands gegenüber derjenigen Englands auch weiterhin eine gewisse Eigenständigkeit, die nicht nur dem Nachwirken bestehender Bautraditionen, der Verfügbarkeit anderer Baumaterialien sowie abweichenden klimatischen beziehungsweise topographischen Bedingungen geschuldet war, sondern vor allem in den Städten der Central Lowlands auch ein für das damalige Großbritannien ungewöhnlich fruchtbares geistiges Klima widerspiegelte.

Im Rahmen der diesjährigen Pfingstexkursion wollen wir daher unter dem Motto „Enlightened and Industrious“ die Architektur des 17. bis 19. Jahrhunderts zwischen Edinburgh und Glasgow genauer kennenlernen.

Im ersten Teil der Exkursion werden wir unter anderem untersuchen, wie auch in Schottland allmählich der klassische Formenkanon in die Architekturentwicklung Einzug hielt und wie sich auf dieser Basis schließlich die Ideen des Palladianismus herauszubilden begannen. Wir werden den Beitrag Schottlands zur Geschichte des protestantischen Kirchenbaus betrachten, uns der Frage widmen, wie sich der im Zuge der Aufklärung aufgekommene rationale Blick auf die Welt in neuen urbanistischen Initiativen manifestierte, und nachzeichnen, wie insbesondere in Edinburgh das Selbstverständnis als intellektuelles Zentrum immer wieder zu Rückgriffen auf die Architektur des antiken Griechenlands führte - Rückgriffe, die die Stadt schließlich zu einem der wichtigsten Zentren des Greek Revival werden ließen.

Der zweite Teil der Exkursion wird sich mit den Entwicklungen des 19. Jahrhunderts auseinandersetzen und unter anderem den Einfluss der Industrialisierung auf die schottische Architektur betrachten. Dabei werden wir untersuchen, wie sich durch die neu verfügbaren Materialien Stahl und Glas innovative architektonische Ideen herausbildeten, sowie der Frage nachgehen, wie die Architektur auf die mit der Industrialisierung einhergehenden sozialen Probleme reagierte. Wir werden darüber hinaus eine Reihe von Bauten kennenlernen, bei denen auch im Historismus die Auseinandersetzung mit der schottischen Architekturgeschichte zu ungewöhnlichen - und andernorts in dieser Form nicht vorstellbaren - Lösungen führte. Und schließlich werden wir das Werk Charles Rennie Mackintoshs in den Blick nehmen, der traditionelle schottische Architekturformen mit Einflüssen vom Kontinent und eigenen künstlerischen Ideen zu einer vollkommen singulären Spielart des Jugendstils verband.

 
 

Datum und Veranstaltungsort

Einführung und Platzvergabe: 14. Februar 2019, 18 Uhr, Bibliothek AGes
Exkursion: 9. bis 16. Juni 2019

Ansprechpartner

Dr.-Ing. Tobias Glitsch