9. September 2022 | Kurzbericht Scherpenheuvel-Symposium

  Professorin Anke Naujokat bei einem Vortrag in Scherpenheuvel © Anina Janich  

Interdisziplinäres Symposium in Scherpenheuvel
Ein Kurzbericht von Christian Klosterkötter

Gleich mehrere Entdeckungen und neue Befunde deutscher und belgischer Forscher*innen zum Wallfahrtsensemble in Scherpenheuvel gaben den Anstoß dazu, das neu gewonnene Wissen im Rahmen eines internationalen Symposiums vorzustellen und zu diskutieren.

Die Veranstaltung mit dem Titel „New Research Approaches to the Pilgrimage Ensemble of Scherpenheuvel – Methods and Results“ wurde am 2. September 2022 durch den Lehrstuhl für Architekturgeschichte der RWTH Aachen University in Kooperation mit der Parochie van Onze-Lieve-Vrouw van Scherpenheuvel ausgerichtet. In interdisziplinärer Zusammenschau versammelte sie Vorträge aus den Perspektiven von Kunstgeschichte, Architekturgeschichte, Bauforschung, Restaurierung, Archäologie und Sanierungsplanung/Site Management. Austragungsort war das nahe der Wallfahrtskirche gelegene Pilgerzentrum. Das Symposium wurde zusätzlich live per Videoschalte übertragen.

Nach der Begrüßung durch Pastor Luc Van Hilst begann die Bonner Kunsthistorikerin Janne Lenhart als erste Referentin mit ihrem Vortrag „Visual strategies and coding of space in order to mark denominational identities“. In diesem rückte sie die Umdeutung religiöser und politischer Motive während der Konfessionalisierung im Kontext des Wallfahrtsortes in den Fokus.

Der zweite Tagungsbeitrag stellte das DFG-geförderte Forschungsprojekt „Kirche und Stadt im Siebeneck“ des Lehrstuhls für Architekturgeschichte der RWTH Aachen vor. Anke Naujokat präsentierte zunächst einführend die Fragestellungen des interdisziplinären Projektes, welches das Wallfahrtsensemble über seine verschiedenen Maßstabsebenen hinweg in den Blick nimmt. Sara Dolls fasste anschließend den Stand der im Rahmen des Projekts angefertigten ersten umfassenden Baudokumentation des Bauensembles zusammen. Abschließend stellte Anke Naujokat neueste Beobachtungen und Thesen zur Genese des Wallfahrtsortes in mehreren baulichen und programmatischen Phasen vor.

Im Anschluss präsentierten der belgische Bauhistoriker Joris Snaet und die Kunsthistorikerin Valerie Herremans vom Antwerpener Büro steenmeijer architecten Befunde aus ihrer intensiven Beschäftigung mit bislang unbekannten Schriftquellen des 19. Jahrhunderts. Ein besonderer Fokus lag auf dem über eine lange Zeit unbeachtet gebliebenen Verbindungsgang östlich des Zentralbaus und der nur noch ruinenhaft erhaltenen angrenzenden Klosteranlage.

Der folgende Beitrag des Löwener Archäologen Johan Claeys thematisierte ebenfalls die Klosterruine. Zusammenfassend erläuterte er die Herangehensweise und die Ergebnisse einer im Jahr 2020 durchgeführten archäologischen Grabungskampagne, die der Erforschung der Grundmauern des nicht mehr erhaltenen Gebäudekomplexes galt.

Zu Beginn des zweiten Veranstaltungsblocks stellten Anke Naujokat und die Hamburger Kunsthistorikerin Barbara Uppenkamp neu gewonnenes Wissen über das ikonografische Programm der Kuppelkirche vor. Der Beitrag rekonstruierte die ursprüngliche Anordnung der beiden Bildprogramme im Kircheninneren und zeigte auf, wie der außergewöhnliche siebeneckige Raum dazu genutzt wurde, Bildwerke und Gnadenbild miteinander in Beziehung zu setzen sowie eine Bewegungsregie zu etablieren, welche die Pilger auf einem sternförmigen Weg zum Gnadenbild führte.

Es folgte ein Bericht der Restauratorinnen Ann Verdonck und Marjolein Deceuninck des Genter Büros FENIKX bvba. Auf Grundlage mehrerer Untersuchungen innerhalb des gesamten Gebäudekomplexes ermöglichten sie vielseitige Einblicke in die Baumaterialien sowie die zahlreichen historischen Farbfassungen des Kirchenraumes.

Nach dem ausgiebigen Blick in die Historie der Wallfahrtskirche wurde das Symposium mit zwei in ihre Zukunft zielenden Vorträgen abgerundet. Dabei stellten zwei Mitarbeiterinnen des Büros steenmeijer architecten unter Leitung von Stefanie Reyskens zunächst die komplexe Aufgabe der Erhaltung und Sicherung des Bauensembles vor. Im abschließenden Beitrag bekräftigte Pastor Luc Van Hilst die Verantwortung und die Bestrebungen der Parochie, den seit über 400 Jahren pulsierenden Wallfahrtsort auch in Zukunft weiterhin als solchen behutsam zu erhalten.

 
 

Datum und Veranstaltungsort

Freitag, 2. September 2022, De Pelgrim, Scherpenheuvel

Kontakt

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Anke Naujokat
Sara Dolls M.A.