2016 | Florenz – Die Architektur der Medici

  Dom zu Florenz © Anke Naujokat  

Die Stadt Florenz und ihr Umland sind geprägt durch die Bauten der Familie Medici. Im 15. Jahrhundert waren sie Begründer einer neuen, rhetorisch motivierten Baukunst, die Rückgriffe auf die Architektur des antiken Rom mit Anleihen an die herrschaftliche mittelalterliche Bautradition verschränkte. Ziel waren der Ausdruck und die Legitimation ihrer als Emporkömmlinge neu erlangten wirtschaftlichen und politischen Macht mit den Mitteln von Kunst und Architektur.
 
Im Rahmen unserer Exkursion betrachteten wir die Architektur der Medici in und um Florenz in zwei Zeitabschnitten, die jeweils sowohl die innerstädtischen Bauten als auch die Villenbauten mit ihrem jeweiligen Gestus gegenüber Stadt, Territorium und Landschaft in den Blick nahmen.
 
Im 15. Jahrhundert, zur Zeit der Republik, bauten die Medici ihre inoffizielle Herrschaft über die Stadt mithilfe der Architektur aus. Die von ihnen gestifteten Bauten besetzten markante politische und sakrale Orte am Rande des republikanischen Stadtzentrums, zitierten dabei gezielt ehrwürdige lokale Symbolbauten und nutzten Malerei, Skulptur und Heraldik als Medien kalkulierter Selbstdarstellung. Indem die Medici Architekten und Künstler förderten, welche die Erneuerung der Künste in Rückbesinnung auf die römische Antike vorantrieben, wurden ihre Bauten zum Ausdruck einer modernen und offenen humanistischen Kultur. Die Konkurrenten der Medici nahmen die architektonische Herausforderung an, so dass ein stadtübergreifender architektonischer Wettstreit entstand, den wir vor Ort nachvollziehen wollten.
 
Im 16. Jahrhundert, zur Zeit des Großherzogtums, inszenierten sich die Medici als offizielle Staatsoberhäupter und nutzten ihre Baupolitik dazu, die eigene Herrschaft durch Aneignung und Umdeutung der republikanischen Vergangenheit zu legitimieren. Sie ergriffen nun Besitz vom alten republikanischen Regierungsbezirk im Stadtzentrum. Architektonische Interventionen wie der Bau der Uffizien zeugen - genauso wie das neue Figurenprogramm der Piazza della Signoria - vom Bestreben, die republikanischen Institutionen zu vereinnahmen und damit der Zentralisierung der Macht Ausdruck zu verleihen. Entsprechend lehnten sich nun auch ihre Villenbauten in reaktionärer Weise wieder an das Kastellschema der Feudalzeit an.

 
 

Kontakt

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Anke Naujokat
Dr.-Ing. Caroline Helmenstein