Bernhard Rotterdam

  Innenraum einer Kirche © Stefan Knecht  

Bernhard Rotterdam und der Versuch einer anderen Moderne


Bernhard Rotterdam (1893-1974) war einer der einflussreichsten Architekten des Rheinlands, der mit einer Vielzahl von Werken entscheidend zum Ortsbild zahlreicher Städte und Gemeinden rund um Köln beigetragen hat. Trotz seiner enormen Prägekraft, die durch eine Vielzahl an realisierten Bauten aus der Zeit der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus und der frühen Bundesrepublik belegt ist, spielte Bernhard Rotterdam in der Forschung bisher kaum eine Rolle.

Bevor sich Rotterdam als ein Vertreter der Nachkriegsmoderne einen Namen machte, praktizierte er seinen Beruf bereits über mehrere Jahrzehnte, in denen er im Rahmen von kirchlichen, privaten und öffentlichen Projekten vielfältige Akzente setzte. Während die heutige Sicht auf die deutsche Architektur vor 1933 stark vom Bauhaus und der klassischen Moderne dominiert ist, die nach dem Untergang des Kaiserreichs 1918 auf das Ende von historischen und regionalen Bezügen in der Architektur zugunsten des Internationalen Stils hinarbeitete, folgte der junge Architekt zu dieser Zeit einem anderen Ansatz. Beeinflusst von Lehrern und Vorbildern wie Emil Fahrenkamp, Wilhelm Kreis und Dominikus Böhm suchte er nach Möglichkeiten, traditionelle Elemente der Architektur mit modernen Mitteln der Gestaltung und des Entwurfs in Verbindung zu bringen, anstatt radikal auf sie zu verzichten. Welche Strategien verfolgte der Architekt, um den erklärten Gegensatz von Tradition und Moderne zu überwinden? In der folgenden Zeit der nationalsozialistischen Diktatur, der sich seine ehemaligen Lehrer in teils abenteuerlicher Art andienten, wollte auch Rotterdam nicht den Anschluss verlieren. Wie verhielten sich seine Entwürfe unter dem Druck der totalitären Herrschaft und was blieb vom zuvor architektonisch formulierten Leitgedanken übrig?

Diese Dissertation möchte die frühe Schaffensphase des Architekten Bernhard Rotterdam aufarbeiten, dokumentieren und in ihrem historischen Kontext betrachten. Anhand der bedeutendsten Bauten und Entwürfe bis 1945 wird zudem der umstrittene Begriff der „anderen Moderne“ dahingehend überprüft, ob er als Bezeichnung für eine moderate und geschichtsbewusstere moderne Architektur in Abgrenzung zur klassischen Moderne dienen könnte.

 
 

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Stefan Knecht