Vorstadtikone – St. Hubertus von Gottfried Böhm. Zu Besuch im "Backenzahn"

  Vier Plakate mit bunten Hintergründen, die die Silhouetten einer felsartigen Kirche zeigen © Grafikteam "Vorstadtikone"  

Vorstadtikone – St. Hubertus von Gottfried Böhm. Zu Besuch im "Backenzahn"


Am Fuße des Aachener Kronenbergs befindet sich die 1964 fertiggestellte Kirche St. Hubertus – ein architektonisches Kleinod, für dessen Entwurf sich Gottfried Böhm verantwortlich zeichnet. Einst lebendige Viertelkirche, wird das im Volksmund bisweilen als „Backenzahn“ bezeichnete Gebäude heute nur noch selten genutzt. Dieser „Vorstadtikone“ hat der Lehrstuhl für Architekturgeschichte zwei ganze Semester in Form eines kombinatorischen Entwurfs- sowie Lehrforschungs- bzw. Ausstellungsprojekts gewidmet.

In einem ersten Projektteil galt es für die teilnehmenden Studierenden, eine – vorerst fiktive – alternative Nutzung für den Kirchenbau und die Insula zu entwickeln. Das räumliche und funktionale Potenzial des ehemals schieferbekleideten „Felsen aus Beton“ sollte neu ausgelotet und überzeugende Visionen ersonnen werden, die diesen eigentlich als Viertelentrée gedachten Ort wieder zu einem lebendigen Anziehungspunkt werden lassen. Entstanden sind fünf diskussionswürdige Nutzungs- und Entwurfskonzepte, die den denkmalgeschützten Kirchenbau allesamt respektieren, ihn jedoch auf völlig unterschiedliche Weisen baulich ergänzen.

Unter dem Titel „Vorstadtikone“ erarbeiteten die Studierenden im zweiten Teil des Projekts eine Ausstellung über die Kirche St. Hubertus in und um die Kirche St. Hubertus. Das erklärte Ziel der Ausstellung war – neben dem Zeigen der Entwurfsergebnisse – vor allem, ein Bewusstsein, ja eine Wertschätzung für das doch eher unbekannte und mitunter hinsichtlich seiner außergewöhnlichen Architektursprache vielleicht auch zum Teil unverstandene Bauwerk zu erzeugen.

Das von den Studierenden erdachte Ausstellungs- und Leitsystem war so kreativ wie nachhaltig zugleich: Aus gebraucht erworbenen Regalen eines bekannten schwedischen Möbelherstellers haben sie eine Art Stationsweg gebaut, der durch die Kirche sowie um sie herumführte und auf vielfältige und multimediale Weise über die (zum Teil gewiss überraschenden) Besonderheiten des Kirchengebäudes und seiner Baugeschichte informierte. Die einzelnen Stationen illustrierten dabei etwa, ob und inwiefern an den entsprechenden Stellen Veränderungen gegenüber der ursprünglichen Planung von Gottfried Böhm vorgenommen worden sind. Letztlich war es also der Kirchenbau selbst, der zum Exponat im Maßstab 1:1 avancierte.

Neben großflächigen Projektionen dreier selbstgedrehter Filme und Interviews über St. Hubertus, Teilen der ursprünglichen Schieferbekleidung zum „Anfassen“ sowie einem Ausstellungsbegleiter ergänzten zwei Sonderaustellungsbereiche die Kirchenstationen: Unter der Orgelempore führte die „Böhm-Pergola“ in Leben und Werk des Architekten ein und nahm eine architekturhistorische Einordnung von St. Hubertus in die Reihe seines Sakralœuvres vor. In der Taufkapelle, die immer auch als Ort der Erneuerung gelesen werden kann, wurden die eingangs genannten Zukunftsvisionen der Studierenden für die Kirche und die Insula vorgestellt.

Die Ausstellung „Vorstadtikone“ war im mindestens dreifachen Sinne nachhaltig: Die Regalelemente des Stationsweges wurden nach Ausstellungsende wieder veräußert und damit ihrer ursprünglichen Nutzung zugeführt – beinahe ein "zero waste"-Konzept also. Die Ausstellungsinhalte wiederum erzeugten ein nachhaltiges öffentliches Interesse an der Kirche und ihrer Zukunft. Und der Reinerlös des Gesamtprojekts in Höhe von 1070,70 € wurde an das Aachener Kinder-, Jugend- und Familienzentrum „Maria im Tann“ gespendet – auch dies ein nachhaltiges „Plus“ für einen wirklich guten Zweck also.

 
 

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Kontakt

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Anke Naujokat
Dipl.-Ing. Architektin Verena Hake
Dr.-Ing. Caroline Helmenstein