Roma Sotterranea

  Krypta der Kirche Santa Maria Scala Coeli, Rom © Tobias Glitsch  

Roma Sotterranea. Form, Funktion und Bedeutung unterirdischer Strukturen in römischen Kirchen der frühen Neuzeit


Bereits seit der Spätantike wird im christlichen Sakralbau die Zone unterhalb des Bodenniveaus ganz selbstverständlich in die räumliche und funktionale Konzeption der resultierenden Bauensembles miteinbezogen. Auch im Rom der frühen Neuzeit verfügten Kirchen und Kapellen daher regelmäßig über unterirdische Nutzungsbereiche, ja in Rom spielten derartige Elemente sogar eine besonders prominente Rolle, da die betreffenden Bauten dort besonders eng an die Begräbnisorte der frühen Glaubenszeugen angebunden waren und sich die antiken Überreste der Stadt darüber hinaus besonders gut als konstruktives oder ideelles Fundament neuer Gebäude nutzen ließen.

Dennoch fehlt bisher eine Untersuchung, die umfassender auf das Nutzungsspektrum, die architektonische Form und den Bedeutungsgehalt der unterirdischen Strukturen eingehen würde. Und selbst die reine Existenz jener Kammern und Raumsysteme ist – sofern nicht bereits vom Hauptraum aus sichtbar – oft zwar der Denkmalpflege und den unmittelbaren Nutzern der Gebäude bekannt, findet in der Literatur aber kaum Erwähnung. Das vorliegende Projekt soll daher die unterirdischen Partien römischer Sakralbauten aus Renaissance und Barock erstmals systematischer aufarbeiten und in ihrer funktionalen und ikonologischen Vielschichtigkeit beleuchten.

Behandelt werden sollen dabei gleichermaßen einzelne, nur über Bodenluken zugängliche Grabkammern, Grablegen aus mehreren untereinander verbundenen Raumzellen und unterirdische Andachtsbereiche wie Confessio-Anlagen, revitalisierte und neuerrichtete Kryptengänge oder alternative Kirchen- und Kapellenräume. Ein besonderes Augenmerk wird darüber hinaus auf der Verschränkung der unterschiedlichen räumlichen Typologien liegen, die nicht selten dazu genutzt wurde, die unterirdischen Räume auch inhaltlich aufzuladen. Neben der reinen Sammlung der relevanten Beispiele sollen zumindest die wichtigsten Objekte dabei auch bauforscherisch untersucht und durch eine Auswertung der zugehörigen Archivquellen besser in den Gesamtkontext der jeweiligen Sakralbauten eingeordnet werden.

Die Untersuchung soll auf diese Weise dazu beitragen, die Bedeutung unterirdischer Strukturen für das räumliche, funktionale und ikonologische Programm der betreffenden Kirchen und Kapellen stärker im Bewusstsein der Forschung zu verankern und den Blick auf die römische Sakralarchitektur der frühen Neuzeit damit nochmals um einen zentralen Aspekt zu ergänzen.

 
 

Kontakt

Dr.-Ing. Tobias Glitsch