Scherpenheuvel. Kirche und Stadt im Siebeneck

  Wallfahrtskirche in Scherpenheuvel Urheberrecht: © Tobias Glitsch  

Kirche und Stadt im Siebeneck.
Genese, Gestalt und Bedeutung des belgischen Wallfahrtsortes Scherpenheuvel unter dem spanischen Erzherzogspaar Albrecht und Isabella
(DFG-Förderung 2018-2022)


Auf dem „steilen Hügel“, der Keimzelle des gleichnamigen Ortes Scherpenheuvel in Flämisch-Brabant, hatte seit dem späten Mittelalter eine Marienstatue an einem Eichenbaum ihre Heilungswunder verrichtet. Konzentrisch um diese hochverehrte Pilgerstätte entstand Anfang des 17. Jahrhunderts ein spektakulärer Wallfahrtsort als herrscherliche Gründung und architektonisches Manifest des Katholizismus. Erzherzog Albrecht und Infantin Isabella, Regenten der spanischen Niederlande, initiierten 1603 persönlich den architektonischen Ausbau der Wallfahrtsstätte vor dem Hintergrund des Achtzigjährigen Krieges mit seinen religiösen und territorialen Auseinandersetzungen zwischen den spanientreuen katholischen Niederlanden im Süden und den protestantischen Staaten der niederländischen Republik im Norden. In der Folge kam es zur Errichtung einer außergewöhnlichen, die Hügelspitze besetzenden Kuppelkirche mit siebeneckigem Grundriss, die sich im Zentrum eines gleichfalls siebeneckigen, sternförmigen Gartens erhebt und ringsum von einer siebeneckigen befestigten Idealstadtanlage umgeben wird. Nach dem Tod des Erzherzogs im Jahr 1621 führte Erzherzogin Isabella den Ausbau und Ausstattung des Wallfahrtsortes weiter. Dabei ergänzte sie den Gesamtkomplex insbesondere durch ein neu gegründetes Oratorianerkloster, das über verschiedene Anbauten und einen teilweise unterirdischen Gang in einer Ost-West-Achse an den Zentralbau angeschlossen wurde.

Das Forschungsprojekt untersucht die Genese, Gestalt und Programmatik des Wallfahrtsortes in seinen unterschiedlichen Maßstabsebenen von der Idealstadtanlage über den Kirchenbau bis hin zu dessen bildlicher Ausstattung. Hierfür wird das städtebaulich und architektonisch einzigartige Ensemble erstmals systematisch mit Methoden der historischen Bauforschung dokumentiert und analysiert. Parallel dazu werden die Schrift- und Bildquellen durch eine systematische Archiv- und Literaturrecherche erstmals vollständig zusammengestellt und ausgewertet. Ziel ist ein umfassendes Verständnis des bedeutsamen Ensembles in Bauchronologie, Nutzung, Typologie, Ikonologie, Symbolik und religiöser sowie politischer Programmatik.

 

Kontakt

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Anke Naujokat
Sara Dolls, M. A.
Dr. Barbara Uppenkamp