SoSe 2019 | Schweizer Botschaft in Äthiopien

  Perspektive Garten der Residenz Urheberrecht: © Laurenz Härtl und Signe Schuler
 
 

Von Nähe und Ferne


Im Rahmen des zweisemestrigen Entwurfsprojektes haben wir neue Perspektiven für die Schweizer Botschaft in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, erarbeitet und damit den architektonischen Dialog zweier vollkommen unterschiedlicher Kulturen neu eröffnet. Das Baufeld beherbergt bis heute die Schweizer Landesvertretung – allerdings in Form mehrerer in vielfacher Hinsicht unzureichender Einzelgebäude. Diese sollten durch eine überzeugende, neue Gesamtanlage aus Botschaft und Residenz mit angemessenem Raum-, Repräsentations- und Sicherheitskonzept ersetzt werden.

Botschaftsbauten repräsentieren das betreffende Land in sichtbarer und unmittelbarer Weise
und stellen damit genuine Exportarchitekturen dar. Gleichzeitig sind sie aber auch Importarchitektur, entstehen sie doch in einem zu diesem häufig völlig konträren kulturellen, klimatischen und (städte-)baulichen Kontext. Folgende Fragen haben uns über zwei Semester hin beschäftigt: Wie kann es gelingen, das Phänomen dieser Dekontextualisierung zu überwinden? Wodurch wird eine reine Transferarchitektur zu einer Architektur des Dialogs, oder anders ausgedrückt: Wie implementiert man eine Architektur der "Swissness" in den Kontext einer ostafrikanischen Hauptstadt mit subtropischem Klima? Wie ist das Wesen des Dialogischen wiederum mit dem Wesen des Verschlossenen und Abgeschiedenen, das einem Botschaftsbau stets einbeschrieben ist, ja einbeschrieben sein muss, vereinbar?

Teams aus jeweils zwei Studierenden begaben sich auf die Suche nach einer angemessenen architektonischen Antwort auf die räumlichen, funktionalen und atmosphärischen Fragestellungen der komplexen Bauaufgabe "Botschaft". Übrigens hatte das Entwurfsprojekt einen starken Realitätsbezug: Im Sommer 2018 veranstaltete das Schweizer Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) tatsächlich einen Wettbewerb gleichen Themas. Das erklärte Ziel der Lehrveranstaltung war daher nicht zuletzt auch, Teilaspekte der erfolgreichen Bearbeitung eines solchen kennenzulernen.

Laurenz Härtl und Signe Schuler unterbreiten mit Ihrem Botschaftsentwurf einen beeindruckend kraftvollen Lösungsvorschlag. Das Prinzip des "Tragens und Lastens" dient hierbei als formgebendes Konzept. Ihr Entwurf besteht aus drei Baukörpern, die den Kundenbereich, die repräsentative und private Residenz sowie den administrativen Bereich innerhalb der Sicherheitszone verorten. Durch das Lasten dieser Sicherheitszone auf dem Kundenbereich und dem Residenzgebäude wird diese ablesbar abgehoben. Das Gebäude fügt sich durch seine vergleichsweise flache Kubatur sowohl in den städtischen Kontext als auch in die abfallende Topografie des Grundstückes ein; schützenswerte Vegetation und besondere Bestandsbäume wurden erhalten. Dachüberstände reagieren auf das lokale Klima in der äthiopischen Hochebene. Sie bieten bei zenitaler Sonne Schutz vor der Strahlung und während der viermonatigen Regenzeit Schutz vor Niederschlägen. Verschiebbare Elemente aus robustem, afrikanischem Bongossi-Holz dienen den Büros der Sicherheitszone als zusätzlicher Sonnenschutz; ihr rötlicher Ton verleiht dem Gebäude eine warme Note.

 
 

Pläne und Perspektiven


 
 

Betreuung

Univ-Prof. Dr.-Ing. Anke Naujokat
​Dipl.-Ing. Architektin Verena Hake
Dipl. Arch. Bruno Schindler