Abschiedsvorlesung Prof. Schulze

  Tschaukelstuhl Urheberrecht: LfP   Mann Urheberrecht: LfP

Zum Ende August 2017 tritt Prof. Schulze seinen wohlverdienten Ruhestand an. In seiner Abschiedsvorlesung ließ er noch einmal die 20 Jahre am Lehrstuhl für Plastik Revue passieren, zeigte frühe Experimente aus der universitären Lehre und reife Leistungen von Studierenden des Fachbereichs Architektur im plastischen Gestalten zwischen Kunst, Design und Forschung. Natürlich endete die Veranstaltung in einem rauschenden Fest auf dem romantischen Hof des Lehrstuhls an der Wüllnerstraße.

 
 
Stuhl Urheberrecht: LfP

Zum würdevollen Abschied fertigten die Mitarbeiter und Hiwis des Lehrstuhls ein besonderes Ruhestandsequipment an, welches selbst im anstrengendsten Un/Ruhestand auch Erholungspausen möglich machen soll: Ein „Tschau“kel - Stuhl, aus alten Modellierböcken gezimmert soll für Entspannung mit „Swing“ sorgen, die eingebaute Porzellanpfeife mit trickreichem Aschenbecher steht vielleicht für einen „tiefen Zug Leben“ nach der Pensionierung. Auch langjährige Weggefährten und ehemalige Mitarbeiter/innen waren gekommen, um Prof. Schulze alles Gute für neue Projekte ohne Notenzwang und Drittmitteldruck zu wünschen, von denen man sicher in naher Zukunft hören wird.

 
  Pfeife Urheberrecht: LfP

Das Team vom LfP bedankt sich für eine kollegiale Zusammenarbeit und sagt schon mal „Tschau“…

 

Die Abschiedsvorlesung

Abschiedsvorlesung vom 28.6.2017 an der Fakultät für Architektur, RWTH Aachen

„Was ich noch sagen wollte…“

Ich dachte mir, so einfach verdrücken nach 20 bewegten Jahren hier an dieser Universität, hier an dieser Fakultät, das geht gar nicht!

Daher…!

Liebe Mitarbeiter, liebe Kollegen und Freunde, liebe Studierenden, sehr geehrte Magnifizenz Kollege Schmachtenberg, sehr geehrte Frau Prorektorin Klee. Tendenziell wird das, was ich Ihnen heute erzählen und zeigen werde einerseits von meiner persönlichen Vergangenheit handeln und andererseits von den Inhalten, Positionen und Personen, die über die Jahre in Lehre und Forschung das Profil des Lehrstuhls mitgestaltet haben. Dieser Rückblick ist zu einem solchen Anlass nicht verwunderlich, denn der Blick in die Zukunft ist ungewiss und selbst die Gegenwart hat die unangenehme Eigenschaft, relativ schnell auch der Vergangenheit anzugehören. Bleiben wir für einen Moment noch in der Gegenwart: Hier sehen wir eine schöne Aufnahme des Fotografen Peter Winandy. In der Mitte das Bergbaugebäude. Rechts die Bibliothek und ein Teil des sogenannten

„Toasters“ und im Vordergrund das alte Heizkraftwerk.

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Ich entdeckte in dem Bild aber noch ein Element, das meine Aufmerksamkeit erregte. Sie fragen sich wahrscheinlich: Was meint der denn? Ich erkannte in dieser Aufnahme plötzlich diese kleinen Fenster. Und was soll ich sagen, das sind die Fenster meines kleinen Büros in der Wüllner-Straße. Ich finde im Gesamtkontext wirkt das ein wenig wie Liliput und Gulliver.

Hoppla, da hat jemand Hunger. Übrigens, das ist der Rabe der vor meinem Bürofenster fast täglich auf Futter wartete. Vermutlich wird er mich zukünftig vermissen! In dieser Perspektive sieht das schon anders aus. Eine Adresse wie bei Harry Potter: Wüllner-Straße zwischen 3 und 5. Anfangs bedauerte ich, dass unsere Ateliers nicht im Reiff untergebracht waren, aber über die Jahre haben wir diesen Ort, mit Haus und Hof eigentlich schätzen gelernt, auch wenn es großer Anstrengungen bedurfte, die vielen Studierenden in den kleinen Räumen jeweils unterzubringen und zu versorgen. Ein weiterer Mangel liegt in der zersplitterten Lage der Werkstätten und Ateliers. Was wir hier sehen sind die Pläne eines Erweiterungsbaus der Bildhauerateliers, die uns vor ca. 10 Jahren von der Abt. Baumanagement vorgestellt

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wurden. Die Pläne sahen die Zusammenführung aller Werkstätten und Ateliers in der Wüllner-Straße vor. Tolle Idee! Ehrlich gesagt, wir konnten es nicht fassen, da hatte wirklich jemand unser Problem erkannt und wollte uns helfen! Aber es kam alles anders:

Kennen Sie den Film „Blaumilchkanal“ des großen

Satirikers Ephraim Kishon? Wenn ja, dann ahnen Sie vielleicht, wie die Geschichte weiterging.

Jedenfalls lernten wir was unter „

Fliegenden Bauten“ zu

verstehen ist und letztlich erreichte uns räumlich ein ähnliches Schicksal wie die vielen Refugees in Deutschland, als uns diese Behausung zugewiesen wurde. Aber blicken wir noch weiter zurück: Die Vergangenheit besitzt das größte erzählerische Potential und hinzu kommt die Eigenschaft, dass man durch sie die Gegenwart besser versteht. Daher möchte ich mit Ihnen verschiedene Stationen Revue passieren lassen, die in meiner Sozialisation als bildender Künstler und Lehrer von Bedeutung waren. Dabei wird auch meine Haltung zu Material und Form sowie deren Bedeutung für die spätere Lehre und Forschung eine Rolle spielen.

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Das bedeutet für Sie viel Konzentration und viel Bildmaterial. Was ich noch zu sagen hätte, dauert also länger als eine Zigarette! Schnallen Sie sich los und lehnen Sie sich einfach zurück. Die erste Station wird in Trier liegen, die zweite in Berlin und die dritte Station, wie kann es anders sein, in Aachen.

Trier

In dieser alten Römerstadt bin ich 1952 geboren und aufgewachsen. Die nach dem Krieg geboren Kinder sollten es einmal besser haben, so das inbrünstige Versprechen und Vorhaben, das unzählige Male von den Eltern an die Kinder weitergegeben wurde. Aber unbewusst wurde ebenso das Trauma des Krieges mit der Muttermilch an die Kinder weitergegeben: Auch durch Erzählungen, Stimmungen und Verhaltensweisen. Chaos ist nur eine andere Form von Ordnung und so sah unser Spielplatz aus. Aber bei aller Tragik der Geschichte muss ich heute feststellen: Diese zerbombten und ruinierten Orte hatten einen speziellen Reiz und setzten bei mir als Kind ein großes Fantasiepotential frei. Auch wenn die Dinge, mit denen ich anfangs in Berührung kam, meist traurige Geschichten erzählten.

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Aber die Lebenslust, Neugier und Freiheit, die uns als Kinder antrieb, kompensierte das wahre Ausmaß der vergangenen Katastrophe. Ich möchte klarstellen: Objektiv waren wir arm, aber ich habe mich niemals arm gefühlt! Ich lebte mit meinen Eltern und drei Geschwistern bis zu meinem zehnten Lebensjahr in dieser Baracke, umgeben von einem riesigen Garten, der uns nicht nur Gemüse, Obst und Federvieh lieferte, sondern auch als Erfahrungs- und Erlebnisraum paradiesische Situationen offerierte. Mein Vater hatte die Baracke selbst aus Resthölzern gebaut. Meine Mutter, ehemals Studentin im Fach Ballett in Köln, führte mich ein in den metaphysisch

transzendenten Bereich meiner frühen Erlebniswelt, auch durch ihre starke katholische Religiosität. Und mein Vater war der Erste der mir eine spezielle Empathie für Materialien vermittelte, denn in dieser Zeit war jedes Material wertvoll. Er war Kunstglaser/Glasmaler und restaurierte viele Kirchenfenster in dieser Zeit; er malte Bilder und stellte auch Glasmosaike her. Die Haltung und Mentalität war geprägt durch das Sammeln von Dingen und Materialien, durch extreme Sparsamkeit sowie Improvisation. Die quasi ethische

Formel: "Selbst ist der Mann“, schärfte sehr früh meine

Aufmerksamkeit. Der Umgang mit den Dingen und dem Material war weitgehend durch eine Alchemie des

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Überlebens bestimmt: Nämlich aus Scheiße Gold herzustellen. In den 80er Jahren erstellte ich diese Radierung, um mir den Ort meiner Kindheit wieder vor Augen zu führen. Dieser Ort hütete nämlich ein Geheimnis in seinem Grund, der sich offenbarte, wenn ich damals im Garten in der Erde grub: Römisches Mauerwerk, Töpfe, Scherben und sogar Bronzemünzen. Die Geschichte eines Fundstückes abzuschätzen, seine Funktion zu erahnen oder zu erfinden. Unter diesen Gesichtspunkten war der Garten für mich wie ein Labor und eine wunderbare Fundgrube, denn in dieser Archäologie ist meine Aufmerksamkeit und Affinität zu den Dingen gewachsen und begründet. In der römischen Mythologie nannte man den Schutzgeist eines Ortes

Genius loci“. Wenn ich im mythologischen Jargon bleibe, dann zeigte sich in diesen Dingen ein auratischer Geist, der sich unauslöschlich in mir manifestierte, denn eine merkwürdige Sehnsucht verbindet mich heute noch immer mit diesem Ort. Dies gilt auch für die römischen Kaiserthermen, die nur einen Steinwurf entfernt lagen: Ein verwunschener und spannender Ort zum Spielen und Entdecken. Die direkte Berührung und Wahrnehmung der römischen Architektur mit ihren labyrinthischen Räumen und

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archaischen Materialien, löste eine eigene Poesie und Faszination bei mir aus! Wenn das Wasser an der Römerbrücke niedrig stand, gehörte auch ich zu den Sammlern von römischen Münzen und solchen Artefakten aus der Mosel, Zeitsprung: Seit ich mich erinnern kann habe ich gemalt und gezeichnet. Als ich 13 Jahre alt war, kam eine neue Ausdrucksdimension dazu: Es war die Musik: Die Gitarre eröffnete mir einen neuen Möglichkeits-Raum. Nicht nur für mich erhielt die Musik in dieser Zeit, eine so nie da gewesene Bedeutung. Beat und Rock'n'Roll wurden zum Soundtrack eines neuen Lebensgefühls in Deutschland. Die kleinen glühenden Funken der Musik, die aus den USA und England bis nach Trier rüber wehten, entfachten einen Flächenbrand von nie dagewesenem Ausmaß. Auch ich brannte lichterloh! Ich spielte in verschiedenen Formationen: Von Tanzmusik bis Rock-Jazz, in amerikanischen Offiziers-Clubs und auf feinen Dinner-Partys in edlen Hotels. Das Alles mit dem positiven Nebeneffekt, dass ich interessante Einblicke in verschiedene gesellschaftliche Milieus haben durfte und, was noch wichtiger war: Nach Abschluss einer Handwerkslehre konnte ich mir mit

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Musik das Innenarchitektur-Studium an der FH in Trier finanzieren. Dieses Studium begann 1970. Eine bedeutende Person die ich dort treffen durfte war der Architekt und Professor Helmut Berger, dessen eigene Ausbildung und Gestaltungslehre durch das Bauhaus geprägt war. Hier entstand ein neuer Umgang mit Materialien und insbesondere mit Formen: Ich lernte und erkannte einen größeren Zusammenhang von konstruktiven und funktionalen Anforderungen, die über ästhetische Konzepte in Material, Formen und Farben transferiert werden konnten. Neben dem intensiven Zeichenstudium hatte ich ein Schlüsselerlebnis mit dieser kleinen weißen Maschine, die ich für ein Lichttheater im Kurs von Prof. Clas Steinmann baute. Die Schatten der Maschine bespielten dabei die Bühnenwände. Beim Planen und Bauen erlebte ich eine Imagination und Freiheit, die über die Anforderung einer angewandten Gestaltung hinausging. Erste Zweifel traten auf, ob die Tätigkeit des Innenarchitekten wirklich meine Berufung sei. Und nach dem Besuch der Möbelmesse in Köln in den 80er Jahren waren auch die letzten Zweifel zerstreut und mir war klar, mein tieferes Interesse und meine Berufung galt einer anderen Dimension und Beschreibung des Lebens und dafür wollte ich Kunst studieren.

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Realismus war das Stichwort und dafür kam für mich nur eine Stadt in Betracht:

Berlin!

Nach dem Examen an der FH-Trier zog ich Hals über Kopf nach Berlin und schrieb mich ein an der HdK (heute UdK) für Freie Kunst und Kunsterziehung. Dort traf ich im Philosophikum auf Hegel, Kant und insbesondere Jean Paul Sartre, der mir mit seinem Freiheitsbegriff die Augen und die Seele öffnete. Berlin war in den 80er Jahren ein brodelnder Moloch; eine große Maschine, die mich bald in ihr Getriebe aufnahm. Im 3. Semester mieteten wir mit Kommilitonen eine große Fabriketage in der Kulmerstrasse in Schöneberg. Neben unseren Ateliers richteten wir eine der ersten Selbsthilfe Galerien in Berlin ein. Alles lief gut auf dem Kunstmarkt, so gut, dass ich fast vergessen hätte meinen regulären akademischen Abschluss zu machen. Dennoch, als Meisterschüler von Wolfgang Petrick machte ich 1981 mein erstes Staatsexamen in den Fächern Kunst und Werken Sekundarstufe 2. Danach reizte mich die freie Tätigkeit als Künstler jedoch mehr, als der Schuldienst. Mein Weg führte von der Malerei zur Plastik, denn ich musste beim Malen feststellen, dass ich viel lieber direkt in den physischen Raum der Bilder „einsteigen“ wollte, um die Dinge anfassen und umformen zu können. Nicht

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die Illusion des Bildes, sondern die konkreten Dinge und Materialien, ihre Geschichten und Formen interessierten mich mehr und mehr als Gestaltungs- und Ausdrucksmittel. Und da war es wieder, dieses geheimnisvolle Interesse an der Archäologie der Dinge, die Faszination für das Suchen und Finden von Dingen: Wie eine Elster sammelte ich wählerisch Materialien, Schrott und Objekte von Berlins Straßen, Flohmärkten und Peripherien. Sogenannter Müll bekam eine neue Bedeutung und Wertschätzung! Im Lager entstand so etwas wie eine Enzyklopädie der Materialien und Dinge und im Atelier entstand so etwas wie eine Wunderkammer. In dieser Zeit entstanden auch Stopp-Motion-Filme in Super 8, in denen ich Dinge animieren, also "zum Leben" erwecken konnte. Diese Belebung und Bewegung wollte ich in meine Objekte übernehmen und ich begann kinetische Objekte und Maschinen zu bauen: Themen wie Mensch und Maschine, bzw. Natur und Technik standen und stehen immer noch für mich im Mittelpunkt meiner künstlerischen Praxis. Eine Maschinen-Installation von 1980 hatte den Titel:

„Verfolgt von Max E.

im Rollstuhl“, eine mechanische Hommage an Max Ernst und seine künstlerischen Methoden. 12 Jahre später durfte ich diese Maschinen-

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Installation nach Nagoya in Japan begleiten, wo sie von 650 000 Menschen gesehen wurde. Was ich hier jedoch unbedingt hervorheben und betonen muss: Der größte Schatz jedoch, den ich in Berlin fand, ist meine Frau Ulrike, die nun seit 41 Jahren meine künstlerischen Obsessionen und Ambitionen erträgt und liebevoll unterstützt. Ich finde das ist schon ein Applaus wert! Von 1986 bis 1992 war ich wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Architektur an der HDK-Berlin für den Bereich der künstlerischen Grundlehre. Meine didaktischen Erfahrungen und mein Interesse an künstlerischer Lehre konnte ich dort erweitern und gegen Ende meiner Dienstzeit lebte und arbeitete ich, auf Einladung des US-amerikanischen Künstlers Edward Kienholz mit meiner kleinen Familie in L.A. am Venice Beach. Das war 1990/91 und unsere Tochter Lisa war da gerade 6 Monate alt. Die Zusammenarbeit mit einer prominenten Galerie war dort sehr erfolgreich und überhaupt war es eine sehr produktive Zeit. Während dieses Aufenthalts entstanden eine Reihe von Reliefs, die sich mit dem Mythos "Christoph Columbus" auseinandersetzten, dem ich als Künstler zum nahenden 500 jährigen Entdeckungs-Jubiläum, das Bild meiner eigenen "Entdeckungen" Amerikas gegenüberstellte.

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Mit Themen, die sich aus den kulturell-trivialen Erschei-nungen der US-amerikanischen Gesellschaft mit ihren Eigenarten und popkulturellen Phänomenen ergaben; ebenso die Situation der indianischen Ureinwohner waren Anlass zur Auseinandersetzung. Außerdem traf ich in L.A. die Objekt-Künstler Mike Kelly und Georg Herms. Der Erstgenannte gab mir die Gelegenheit am Pasadena Art Institut bei einem Vortrag meine Kunst vorzustellen und der Zweite: Georg Herms wollte, dass ich mit seiner Klasse einen Kurs durchführe, was dann auch geschah. Insgesamt war dieser US-Aufenthalt eine wichtige Erfahrung. Leider wurde dieser jäh abgebrochen durch

den Beginn des ersten Irakkriegs „Desert Storm“, der

nicht nur die Golfregion ins Chaos stürzte, sondern teilweise auch die Zustände in den USA selbst. Z.B. brach der Kunstmarkt zusammen, was leider abrupt zum Ende der Galerie-Zusammenarbeit führte. Vielleicht war das dennoch eine glückliche Fügung, denn die nächsten Jahre in Deutschland sollten mich für den Umbau eines kleinen Anwesens im Havelland, westlich von Berlin beanspruchen, das wir gekauft und das ich liebevoll kernsanierte und umbaute. Noch ein Wink des Schicksals: Als das Haus relativ fertig war, kam der Ruf aus Aachen und wir zogen in die Eifel, wo das nächste Haus zum Umbau bereitstand.

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Das Haus im Havelland haben wir aber behalten und wir freuen uns immer wieder auf die Sommer im trans-kontinentalen Klima des Havellandes und natürlich über die Nähe zu Berlin.

Aachen

Als ich 1997 meine Tätigkeit hier an dieser Fakultät begann, stand die Qualität der Lehre als kollektiver Anspruch primär im Fokus der Bemühungen aller. Ungefähr aus dieser Zeit stammt dieses Foto. Man

beachte den Frauenanteil…!

Leider sind einige Kollegen darauf schon von uns gegangen. Ich erinnere mich gut an den Anfang meiner Tätigkeit: Manche Kollegen hatten die Befürchtung, dass ich hier die freie Kunst einführen würde. Auf die Frage, wie sinnvoll es sei, Architekten mit Künstlern zusammenzubringen, musste ich an den Kommentar des damaligen Staatsministers Julian Nida-Rümelin denken: Er meinte sinngemäß:

„Aus Sicht des Architekten sei der ideale Künstler jener, der nur einfache monochrome Wandbemalungen vorschlägt“.

Sicherlich ein Klischee! Aber in dieser Aussage drückt sich schon das sensible Verhältnis von Architekt und Künstler aus. Obwohl ich immer davon ausging, dass der Architekt auch ein Künstler ist.

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Da in mir quasi zwei Herzen schlagen, sind mir aber die Ansprüche und Haltungen beider Disziplinen durchaus bekannt. Jedenfalls ging ich in der Lehre und der Forschung nie davon aus, dass wir „Kunst“ produzieren; lediglich

davon, dass wir mit künstlerischen Methoden ein gestalterisches oder anwendbares Ziel erreichen wollen. Sie müssen nämlich wissen, Gestaltung unterliegt anderen Mustern der Aneignung oder Interpretation, als jenen in der freien Kunst: Kunst stellt Fragen, muss diese aber nicht beantworten. Gestaltung sollte jedoch Fragen beantworten. Denn Gestaltung geht davon aus, dass Ästhetik keine Ausnahme ist, sondern die Grundlage für eine Ordnung. In der plastischen Gestaltung geht es um jene Grundlagen, die Einfluss nehmen sollen auf die individuellen gestalterischen Kompetenzen des Einzelnen und seiner Einzigartigkeit. Diese Grundlagen basieren einerseits auf einem kognitiven Wissen, das sich durch Sprache und Begriffe, Fähigkeitenkeiten und Materialbeherrschung auszeichnet, also durch Fakten vermittelt werden kann. Andererseits existiert in diesen Prozessen noch ein anderes Wissen und Forschen, das sich nicht ausschließlich an Begriffe und Sprache gebunden fühlt, denn in künstlerischen und gestalterischen Prozessen wirkt ein Wissen mit, dass wir durch Sprache nicht beschreiben und ausdrücken können. Leibniz nannte

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dieses Erkenntnisvermögen ein dunkles nichtsprachliches Wissen. Intuitives- und ästhetisches Wissen sowie deren Produkte sind daher bewertbar, aber nicht messbar! Die Welt ästhetisch zu gestalten ist ihrem Wesen nach eine idealistische Tätigkeit. Auf die Gestaltung bezogen meint dies z.B., dass nicht nur Kopf und Seele beteiligt sind, sondern auch der Leib, der in die Wahrnehmung von Gegenständen involviert ist und somit am Wissen über die Welt wesentliche Anteile besitzt. Und so lernte und erkannte ich über die Jahre, dass die plastische Gestaltung im Kontext von Lehre und Forschung auch als eine Wissenschaft zu verstehen ist, nämlich als eine Wissenschaft der künstlerischen Methoden. Schauen wir in die Lehre: Das bildhauerische Erbe, dass ich übernahm, war durch meine Vorgänger Prof. Binding und seinen wissenschaftlichen Mitarbeiter Tong geprägt. Ich fand eine Haltung vor, die meist gegenständlicher und figürlicher Natur war. Also eine gute Ausgangsbasis! In unserem Fach durchlaufen jährlich ca. 250 Studierende das Pflichtfach Plastik. Um diesen jungen Menschen gestalterische Optionen anzubieten war mir klar, dass meine persönliche Stilistik nicht zum allgemeinen Modus einer umfassenden Gestaltungslehre geeignet ist. Daher hielt ich bewusst

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mein eigenes künstlerisches Oeuvre aus der Lehre heraus. Bei der Entwicklung meines Lehrkonzepts stand für mich ein wesentliches Merkmal der Architektur-Gestaltung im Vordergrund: Der formgebende Umgang mit Material. Neben den traditionellen Bildhauer-Materialien wie Gips, Ton und Stein war mir die Erweiterung auf Metall, Holz, Kunststoff, Keramik, Glas und Beton sehr wichtig. Aus dieser Intention heraus entstanden jeweils materialspezifische Werkstätten und Räume sowie entsprechend ein breites Formvokabular. Dieses Einrichten der Werkstätten war nicht einfach. Und wenn ich das so sage, dann ist das nur eine banale Umschreibung dessen, um die wahren Widerstände und dunklen Mächte hier nicht benennen zu müssen, die dieses Vorhaben erschwerten oder behinderten. Nun, heute haben sich diese Werkstätten bewährt und die Studierenden schätzen sie und sprechen von einer

„Renaissance des Handwerks und des Materials“.

Übrigens ein aktueller Trend, der nach Jahren materialarmer Konzept-Kunst nun auch wieder an Akademien und Kunsthochschulen zu beobachten ist. Von der Einsicht überzeugt, dass der oder die Studierende selbstverständlich die vielfältigen Formqualitäten und Eigenarten von Materialien erlebt und erkundet haben sollte, um damit später planen und gestalten zu können, ging es mir in der Lehre um eine

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Bündelung der vielfältigen Anforderungen. Konzept und Werkbegriff bilden dabei die Leitbegriffe, auf die ich, auf die wir unsere Übungen ausrichten. Also, das Konzept als geistiges Metamodell… und der

Werkbegriff als eine material- und formästhetische Umsetzung des Konzepts. Konzept und Werkbegriff sind so gesehen die beiden Seiten einer Medaille. Als Singular würde nämlich jede der beiden Komponenten für sich in Einseitigkeit verkümmern. Und wenn man in der Gestaltungslehre nur auf das Konzept setzt, dann entstehen z. B. solche Kuriositäten: Bratwürste-Herstellen als Übung im Fach Grundlagen der Gestaltung an einer anderen bundesdeutschen Architekturfakultät. Als Ziel dieser Übung wurde Kreativität, Materialumformung und Teamfähigkeit genannt. Wenn ich diesen Ansatz ernst nehmen soll, und das fällt mir wirklich schwer, dann zeigen sich für mich in der Tätigkeit des Würste-Herstellens nur sehr begrenzte Vermittlungsmöglichkeiten des ästhetischen Erlebens und des ästhetischen Entscheidens. Für den Lehrstuhl Plastik jedenfalls standen die Projekte und Übungen die entwickelt und durchgeführt wurden,

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unter den Prämissen der Leitbegriffe von Konzept und Werkbegriff. Ästhetische Entscheidung benötigt ein Regulativ in dem sich kreative Möglichkeiten entwickeln können. Um der Beliebigkeit zu entgehen wurde daher jede Gestaltungs- Aufgabe durch ein sogenanntes didaktisches Papier formuliert und überprüft. Darin wurde das Ziel, der Zweck und der Anspruch einer Aufgabe inhaltlich, zeitlich und materiell beschrieben. Und über die Jahre entstand so ein Katalog von Gestaltungsaufgaben, von deren Umsetzung ich im Folgenden berichten möchte. Schauen wir daher in die Werkstätten und auf ihre Protagonisten:

Die Metallwerkstatt

Das Material Stahl ist in der Architektur ein unerlässlicher Werkstoff, deshalb ist die direkte Berührung und Auseinandersetzung für die Studierenden von besonderer Bedeutung. Die Kenntnisse der Verarbeitung sowie die Erfahrungen über die spezifischen Möglichkeiten des Gestaltens mit Metall eröffnen ein breites Spektrum für die spezifischen Formmöglichkeiten und damit auch Optionen für die Entwurfspraxis. Metall hat viele Erscheinungsformen, die einer Gestaltungsidee zugeführt werden können. Im Repertoire dieser Materialbezogenheit gab es auch Vertiefungsmöglichkeiten als Masterprojekte. So wie hier

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ein Messestand für Rheinzink in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Tragkonstruktion. Durch die fachspezifischen Möglichkeiten in den Werkstätten sind wir in der Lage, Materialproben und Moc-ups für Bau- und Modulteile herzustellen, die die Entwürfe konkreter ausgestalten. Der Metall-Werkstatt-Leiter und zweimalige Lehrpreisgewinner ist der Metallbaumeister Michael Staack, dem ich hier für sein fachkundiges und engagiertes Arbeiten ausdrücklich danken möchte. Lieber Michael, herzlichen Dank für die tolle Zusammenarbeit über die Jahre!

Die Kunststoffwerkstatt

In der Kunststoffwerkstatt werden verschiedene Gieß- und Laminierverfahren durchgeführt, die zur Herstellung von plastischen Objekten, Design-Dummys und Prototypen benötigt werden. Dabei kommen Materialien wie Polyurethane, Silikone, Polyester-oder Epoxidharze zur Anwendung. Sinn der Kunststoffwerkstatt ist es, Gegenstände und Objekte mit besonderen Eigenschaften zu realisieren. Aber auch um besondere Formgebung zu erzielen, die mit klassischen Bildhauermaterialien nur schwer umsetzbar wären. Der Umgang mit Kunststoff bringt viel Freiheit in die

Gestaltung. Manchmal wird Kunststoff auch als „Mat

erial

ohne Eigenschaften“ bezeichnet, was bedeuten soll,

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dass Kunststoff jede Form annehmen kann, ohne dass die Gestaltungsfreiheit eingeschränkt wird. Neben vielen anderen Funktionen leitet der multitalentierte Bildhauer Axel Friedrich die Kunststoffwerkstatt. Darüber hinaus hat er das Profil des Lehrstuhls künstlerisch wie administrativ tatkräftig mitgestaltet und, wie sagt man: Er hat mir oft den „Rücken“ freigehalten.

Lieber Herr Friedrich, dafür gebührt Ihnen mein besonderer Dank!

Keramikwerkstatt

Ursprünglich, man höre und staune, soll die Keramikwerkstatt an unserer Fakultät seinerzeit zur Freizeitbeschäftigung der Professorenfrauen eingerichtet worden sein, so wurde mir berichtet. Unabhängig davon: Die Baugeschichte zeigt, dass sich die Entwicklung von Keramik und Architektur gegenseitig bedingen. Die ersten Zeugnisse künstlerischen Gebrauchs von Ton gehen auf den Homo sapiens vor ca. 35 000 Jahren zurück, dessen kreative Aktivitäten während der letzten Eiszeit nachweisbar sind. Die Verarbeitung von klebrigen und tonhaltigen Erden gehört daher zu den ältesten Techniken der Menschheit. Der Gestaltungsprozess mit Keramik steht in Abhängigkeit bestimmter Wechselwirkungen: Die

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Zeitabfolge des Modellierens, die Trocknung und letztlich das Brennen. Jeder Zustand besitzt seine Eigendynamik, die nicht zu unterschätzen ist und für unvorhersehbare Überraschungen sorgen kann. Wie schon erwähnt, bieten wir im Repertoire der Vertiefungen in den Masterprojekten unterschiedliche Themen an. Hier sehen wir einige Beispiele ästhetischer und konkreter Anwendung von Keramik: Einmal der Entwurf für die U-Bahnstation der

Wehrhahn-Linie in Düsseldorf sowie der Entwurf für eine Keramikfassade. Der Aachener Bildhauer Michael Schniedermeyer leitete die Keramikwerkstatt viele Jahre. Danach konnten wir die koreanische Designerin Hyesug Park als kompetente Nachfolgerin gewinnen und die Künstlerin Birgit Saupe leitet die Werkstatt nun seit ca. drei Jahren. Liebe Hyesug, herzlichen Dank für Dein kreatives Engagement und Deinen Einsatz. Und Frau Saupe ebenfalls vielen Dank und alles Gute für Mutter und Kind, natürlich auch für den Vater.

Glaswerkstatt

Glas bietet viele ästhetische Einsatzmöglichkeiten und ist aufgrund seiner Vielfältigkeit als Baustoff aus der Architektur nicht mehr wegzudenken. Die handwerkliche Verarbeitung und Verformung von Glas stand in diesen Kursen im Vordergrund, um Einblicke und Eigenschaften zu erlangen und die Grundkenntnisse der Glasverarbeitung zu erlernen.

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Für die Einführung dieser Techniken und Verfahren, vom Schmelzen bis zum Gestalten mit Glas, setzte sich die Glasdesignerin Barbara Frigger in ihrem Lehrauftrag ein. Liebe Frau Frigger, herzlichen Dank dafür!.

Holzwerkstatt

Die Holzwerkstatt, von der hier die Rede sein wird, ist nicht zu verwechseln mit dem sogenannten ManuLab, das seit einem Jahr zwar auch im Verwaltungsbereich des Lehrstuhls für Plastik liegt, das aber als reine Dienst- und Serviceeinrichtung der Fakultät fungiert. Und wie die Meisten hier wissen, arbeiten dort kompetente und fachkundige Mitarbeiter, die den Studierenden beim Bau ihrer Architekturmodelle hilfreich und fürsorglich zur Verfügung stehen. Die Aufgaben der Holzwerkstatt des Plastik-Lehrstuhls dagegen folgen einem Lehrkonzept und operieren mit künstlerischen Methoden. Eine Übung daraus beschäftigt sich beispielsweise mit der organischen Form: Die organische Form ist uns Menschen ähnlich, sie ist uns vertraut und dennoch ist es anspruchsvoll, eine solche Form aus Holz zu schlagen, denn Holz ist widerspenstig und oft unberechenbar. Wenn man sich darauf einlässt, zeigt der Prozess die Morphologie eines sich ständig verändernden Körpers. Hat man die Form gefunden, wird man letztlich auch mit einer Holzmaserung belohnt, die fasziniert.

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Ich freute mich immer wieder über den Moment und die leuchtenden Augen der Studierenden, wenn sie beim Einölen ihrer Skulptur plötzlich erkannten, welche Pracht das Holz offenbarte. Eine ästhetische Erfahrung im wahrsten Sinn! Der Mann, der sich in hervorragender Weise diese Vermittlung der Gestaltung aneignete, heißt Benedikt Baum, der neben dieser Tätigkeit außerdem auch das sogenannte FormLab erfolgreich leitet. Lieber Benedikt, auch Dir danke ich herzlich für Deine verbindliche und kompetente Arbeitshaltung!

Silberschmieden

Es mag Völker geben die ohne Kleidung auskommen, aber es gibt kein Volk, das auf Schmuck verzichtet. Der Mensch, alleine auf einer einsamen Insel, würde sich nicht mit Federn oder Perlen schmücken; nur in Gesellschaft

anderer wolle der Mensch ein „feiner“

Mensch sein, so Immanuel Kant zum empirischen Interesse am Schönen. Schmuck hat eine elementare kulturelle Bedeutung für den Menschen, deren Ursachen sehr tief in psychosozialen Funktionen verwurzelt sind. Außerdem erkennen wir im Schmuck eine der kleinsten Formen der Plastik. Das Ziel im Silberschmiede-Kurs ist daher, eine Kleinplastik in Form eines Arm- und Fingerschmucks zu erstellen.

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Der Mann, der diese Fähigkeiten und Fertigkeiten dafür an die Studierenden weitergibt und das ästhetische Erleben fördert ist Goldschmiedemeister, und heißt Andreas Echelmeyer. Er betreibt erfolgreich mit seiner Frau einen Goldschmiede-Laden hier in Aachen und ich bin froh, dass wir Ihn gefunden haben. Lieber Herr Echelmeyer vielen Dank für diesen langjährigen und wertvollen Transfer an die Studierenden!

Steinhof

Trotz seines Widerstandes wird der Stein als formbares und ästhetisches Material mit seinen spezifischen Eigenschaften und Qualitäten von den Studierenden sehr geschätzt. Das ist nicht verwunderlich, denn Stein und Architektur verbindet ein unsichtbares Band, das seit Menschengedenken als unzertrennlich gilt. Beide verbindet eine apodiktische Abhängigkeit, ähnlich siamesischer Zwillinge. Kulturgeschichtlich ist der Stein ein ständiger Begleiter des Menschen, denn Steine gehören zur Kultur wie das Holz zum Feuer. Die Vielfalt der Eigenschaften und Ausdrucksformen des Steins haben die Menschen schon immer fasziniert. Im Stein scheinen sich wie selbstverständlich die drei Forderungen des bedeutsamen römischen Architekten Vitruv an die Architektur zu erfüllen: firmitas (die

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Festigkeit), utilitas (die Funktion) und venustas (die Schönheit). Eine langjährige Mitarbeiterin im Steinhof war die Bildhauerin Sabine Harborth. Und gegenwärtig leitet der Bildhauer Joost Meyer den Steinhof. Ihnen, liebe Frau Harborth und Herr Meyer, möchte ich für ihre langjährige und kreative Mitarbeit danken. Über die Aktivitäten von Herrn Meyer wird in Sachen Forschung noch zu sprechen sein.

Arbeiten mit Beton

Die Dinge sind nicht nur das, was sie sind. Wir können ihnen durch das Material und den künstlerischen Prozess eine neue Aura, eine neue Bedeutung geben. Auch schon allein durch eine Veränderung ihrer eigentlichen Formgröße. Triviale und banale Gegenstände, die sich jeder Studierende nach eigener Sympathie aussuchte, fanden hier zur maßstabsgetreuen Vergrößerung: Erst in Ton modelliert und dann in Beton gegossen: eine Blow-Up Situation, wie wir sie in der Popart, z.B. von Claes Oldenburg kennen. Bei der Aufgabe Ein Ding, ein Licht treffen sich Beton und Glas. Merkmale des Produktdesigns und Methoden der Bildhauerei kommen ebenso zusammen.

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So entstanden Leucht-Objekte, die einerseits einer Licht-Dramaturgie folgen und sich andererseits durch Form und Material ästhetisch manifestieren: Plastik als Lichtobjekt. Über die Jahre kamen auch andere Materialien in diesem Kurs zum Einsatz, wie wir hier sehen können: Diverse Kunststoffe, Papier und Metall. Im Prozess der Formsuche und Formfindung beim Entstehen einer Plastik, einer Skulptur oder anderer Objekte, entstehen diverse Formfragen, die meist handlungsorientiert und situativ beantwortet werden. Gemeint sind z.B. semiotische Wesenszüge von Formen. Wann ist die Form ein Zeichen, das z.B. auf etwas anderes verweist und wann ein Symbol, ein Sinnbild oder Bedeutungsträger? Oder was ist eine abstrakte Form, die sich durch Reduktion auf das Wesentliche auszeichnet? Oder was bedeutet die Formsequenz einer Metamorphose, die einen zeitlichen Ablauf von der Anfangsform zur Zustandsform beansprucht? Manche Formen müssen verloren gehen, um anderen Formen das Dasein zu ermöglichen: Wir sprechen dann von der „Verlorenen Form“.

Kollektiver Werkbegriff

Neben der individuellen Vermittlung in der Lehre faszinierte mich besonders auch das kollektive Potenzial der künstlerischen Zusammenarbeit mit den Studierenden. Wie in einer kleinen Bauhütte, arbeitete

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Mann oder Frau gemeinsam an der Umsetzung eines Konzepts. Innerhalb dieser Orientierung entstand der für mich neue Typus eines kollektiven Gestaltungs- und Werkbegriffs, von dem wir hier einige Ergebnisse sehen: Beim Entstehen dieses Turms lag der individuelle Formfindungsprozess in einer kollektiven Verantwortung. Jeder Teilnehmer übernahm ein Formelement, für das er oder sie ein ästhetisches System entwickelte. Erst in der Addition der Elemente entstand sein ästhetischer Ausdruck und ebenso seine Höhe. Und wie wir hier sehen, ist die Methode des kollektiven Gestaltungs-Prinzips auch auf andere Formen der Plastik übertragbar.

Eifel-Camp

Ebenso auf die Konzepte, die im „Eifel Camp“

entstanden, wo wir in den Exkursionswochen zusammen lebten und uns in den Anfangsjahren den vier Elementen widmeten. Die legendäre alchemistische Suche nach Gold im Spiel der Elemente war hier der Anlass zur spielerischen Suche nach Gestalt, Form und Ausdruck. Was wir hier sehen ist ein Form-Spiel mit dem Feuer. ...Ein Jahr später wurde es durch das Spiel mit dem Wasser abgelöst wurde.

…und für die Erde, griffen wir auf Bruchstein zurück,

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Und das Element Luft wurde durch den Pneu verkörpert.

Als „Selbstbildende Form“ galt dem Pneu in den

darauffolgenden Jahren unsere besondere Aufmerksamkeit, da diese großen Raum-Form-Gebilde als Lehr- und Lernmodelle nicht nur durch ihre besondere Räumlichkeit überzeugten, sondern auch große Begeisterung bei den Studierenden auslösten, da sie Planung, Bau und Anwendung unmittelbar erlebten: Scheitern und Erfolg inbegriffen. Erwähnen muss ich hier auch die Zusammenarbeit mit der Fachschaft unserer Fakultät: So das Projekt Inhabiting Campus.

Hier sehen wir die „Sitzschnecke“, auf der vermutlich viele von Ihnen schon gesessen haben und die auf unserem Campus sehr gut angenommen wurde. Des Weiteren, d

ie „Rohrinsel“, die aktuell gerade auf

dem Campus in der Wüllnerstrasse aufgestellt wurde. Und wie man hier sieht, wird sie ausgiebig auf dem Campus genutzt! Zur Sichtbarmachung und Wahrnehmung der Aachener

Quellen entstand das „Das Richei“. Im Inneren kon

nte der Besucher das Quellwasser Aachens riechen, schmecken und fühlen. Der Kurator für dieses Aachener Quellen-Projekt war Dr. Wolfgang Becker, und so komme ich wie automatisch auf die Zusammenarbeit mit dem Ludwig-Forum.

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Ich denke im Besonderen gerne an das Projekt

„Fingerabdruck einer Landschaft“ zurück, als Beitrag zur

EuRegionale-Ausstellung „Echolot“ im Jahre 2008 im

Ludwig-Forum. Eingeladen durch Frau Dr. Annette Lagler. Ca. 250 Studierende zeichneten, modellierten oder sammelten signifikante Dinge an diesem Ort. Entstanden war eine Oberflächen- und Objekt-Sammlung zwischen Herbarium und Reliquie. Eine Art poetische Spurensuche im ländlichen Aachener Stadtteil Soers sowie im dort befindlichen Tuchwerk, eine ehemalige Textilfabrik. Liebe Annette Lagler, Dir, wie auch Brigitte Franzen und natürlich dem Urgestein Wolfgang Becker, möchte ich im Namen des Lehrstuhls für die Zusammenarbeit über die Jahre danken! Ebenso danke ich Frau Wibke Birth und ihrem Team, für die erst kürzlich zu Ende gegangene Ausstellung „BeWundern“ im Suermont

-Ludwigmuseum. Künstlerische Methoden benötigen Offenheit, Spiel und Naivität. Damit meine ich etwas Positives, im Sinne von Unvoreingenommenheit, frei von geistigen Fesseln mit dem Vermögen zur Eigenheit; jene Position, einem Phänomen neutral gegenüberzutreten und offen zu sein für eigene Entdeckungen und Erfindungen. Dem Spiel kommt dabei eine bedeutende Rolle zu. Wir kennen alle den so häufig zitierten Satz von Schiller:

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“

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Oftmals dachte ich wie schön es wäre, wenn mir dieser Satz in der Prüfungsordnung unserer Fakultät, im Hochschulgesetz oder gar in einer Regierungserklärung begegnen würde. Leider vergeblich; da wir wissen, dass das arbeitsbesessene Deutschland, mit der Kategorie des Spiels schon immer seine Probleme hatte...! Es sei denn, es handelt sich um das Fußballspiel! Dabei ist das Spiel älter als die menschliche Kultur und die Tiere haben nicht auf die Menschen gewartet, um das Spielen zu lernen, so Johan Huizinga, in seinem

Buch „Homo Ludens“. Im Spiel „spielt“ demnach etwas mit, was über den

unmittelbaren Drang nach Lebensbehauptung hinausgeht und der Lebensbetätigung einen Sinn zufügt. Für Schiller jedenfalls, erhebt sich der Mensch erst durch das ästhetische Spiel über die Natur, indem er seine eigene Kultur-Wirklichkeit schafft, als Zeichen von innerer und äußerer Freiheit.

„Whale Watching“

Übrigens: In den 14 Tagen, als diese Wal-Plastik auf dem Campus stand, hatte sich ein Obdachloser im Inneren des Wals eingerichtet, gewissermaßen der

„Jonas des Campus“. Er bedankte sich bei uns beim

Abbau für die 14 Tage Unterkunft. Diesen Dank gebe ich weiter an Frau Aschoff und Ihrem Team. Die Genehmigung, dieses Objekt überhaupt im öffentlichen

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Raum so aufstellen zu dürfen, verdanken wir nämlich Frau Aschhoff. Daher vielen Dank für Ihre Großzügigkeit in dieser Sache!

Bei diesem Projekt „Whale Watching“ war die

konstruktive und formale Herausforderung das eine, die inhaltliche Intention das andere. Der Wal war als Metapher gedacht. Nämlich als eine Metapher für die große Dominanz und Wertschätzung der Gesellschaft gegenüber den Wissenschaften. Im Gegensatz dazu die metaphorische Antwort zur gesellschaftlichen Wertschätzung der Kunst, die dagegen proportional wie ein kleiner Goldfisch erscheint. In diesem Missverhältnis von Kunst und Wissenschaft mag vielleicht auch der Grund liegen, dass heute so mancher Künstler mit diesem Wal liebäugelt und sich parasitär als Putzerfisch an ihm bedient. Wir sollten aber nicht vergessen: Kunst und Wissenschaft sind beide dem kulturellen Fortschritt verpflichtet und in diesem Anspruch sollten beide die Kooperation auf Augenhöhe suchen. Aber noch ein weiterer Aspekt dieser Walfisch-Metapher gibt mir Anlass für die folgenden Bemerkungen: Ich stelle fest: Mit der wachsenden Dominanz der Wissenschaft wächst auch das Regime des Messbaren… und das Unmessbare, also die

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philosophische und künstlerische Weltsinngebung, gerät dadurch immer mehr in die Peripherie. Die Teilhabe und Wertschätzung künstlerischer Praxis sowie kultureller Bildung scheinen gesellschaftlich an Bedeutung abzunehmen und sind einem ständigen Druck von Rechtfertigung und Sanktionierung ausgesetzt. Formte und generierte sich Kultur in der Vergangenheit aus denn Wesenszügen und Errungenschaften beider Disziplinen, so scheinen heute nur noch ökonomische Argumente zur Rechtfertigung kultureller Praxis Verwendung zu finden. Hinzu kommt, dass die Herausforderungen und Lösungen für die Zukunft scheinbar nur noch von den Wissenschaften erwartet werden. Und ich frage Sie: Welche Erwartungen hat die Gesellschaft eigentlich an die Künste? Dieses Paradoxon wirkt auch in die Hochschulpraxis: Eine ökonomische Ausrichtung wie derzeit, die so virulent in das Profil der Universitätsausbildung wirkt, gab es noch nie.

Nur zur Erinnerung: Im Humboldt’schen Sinne sollte

Bildung keine von wirtschaftlichen Interessen geleitete, sondern eine unabhängige Ausbildung des Menschen an sich sein, mit der er die Gesellschaft als Welt- und

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Kulturbürger durch Lebenssinngebung und Gestaltung auszeichnet und bereichert. An den Universitäten hat sich derweil ein unübersehbarer Wechsel ergeben; nämlich ein Wechsel von akademischen zu unternehmerischen Werten und damit verbunden: Ein ökonomisch-orientierter Bildungs- und Forschungsbegriff. Forschung als originäres Merkmal war und ist für die Künste und die Wissenschaften gleichermaßen substanziell. Und wenn sich Kunst und Wissenschaft über Jahrhunderte in enger Kooperation entwickelten, was ist der Grund, weshalb man diese Disziplinen heute so getrennt voneinander betrachtet? Die Beantwortung dieser Frage verdient mit Sicherheit mehr Aufmerksamkeit, denn ich befürchte, dass in Zukunft nicht die Vernunft, sondern die ökonomische Effizienz über das Schicksal und die Akzeptanz künstlerischer Disziplinen entscheiden wird.

Forschung

Wie dem auch sei, im Lehrstuhl stellten wir die Frage, wie wir uns als gestalterische Disziplin in diesen Forschungs-Begriff integrieren könnten. Ich möchte Ihnen nun einen kleinen Einblick in die Forschungsaktivitäten des Lehrstuhls für Plastik geben. Was wir hier sehen sind einige Entwürfe aus unserem ersten künstlerischen Auftrag von 2003, der

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dankenswerterweise durch die Vermittlung von Kollege Gerhard Curdes zustande kam. Der Auftrag bestand in der Entwicklung eines künstlerischen Konzepts für den damals neu gebauten Anna-Park in Alsdorf. Vorgesehen waren unterschiedliche örtliche Interventionen, Plastiken, Objekte und Räume, die auf die unter- und überirdische Vergangenheit Alsdorfs Bezug nahmen. Ein Jahr später folgten künstlerische Konzepte für Baesweiler: Z.B. für die Ausgestaltung des Technologiezentrums mit diesen quasi Flugobjekten. Das nächste Forschungsprojekt beinhaltete eine interdisziplinäre Laborstudie, fokussiert auf Form, Material und Funktion einer anwendungsorientierten Ausrichtung von Textilbeton. Gefördert wurde es vom ERS unserer Hochschule, daher an dieser Stelle vielen Dank an Frau Römmer und ihr Auswahlteam. Bedingt durch den Reiz von Leichtigkeit, Reduktion und Materialästhetik eröffneten sich im Textilbeton neue Gestaltungsperspektiven. Wir verknüpften diese Ideen mit unseren Kompetenzen und derer unserer neuen Forschungs-Partner. Unser Anteil bestand in der ästhetischen Gestalt-Entwicklung der Platten-Elemente. Die semantischen Studien über die Wirkung und Einschätzung des Materials auf den Nutzer und Betrachter übernahm die Soziologin Dr. Jacqueline

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Lemm vom Soziologischen Institut durch empirische Methoden der Befragung von Rezipienten.

Semantik der Materialien

Die Materialien besitzen nämlich neben den spezifischen Eigenschaften auch Wirkungen und Bedeutungen, die psychologische Mechanismen auslösen. Diese beruhen auf subjektiven Affekten, die sich aus sozial-psychologischer Sicht auf historische, soziale oder hierarchische Bedeutungen der Materialien beziehen, die ich in ihrer Gesamtheit als die Semantik des Materials bezeichnen würde. Wir sehen hier eine Reihe, die die semantische Wirkungsweise verdeutlichen soll. Ein Relief-Motiv in unterschiedlichen Materialien hergestellt, in der jedes Material seine eigene Wirkung demonstriert. Auf diesen Erfahrungen aufbauend entstand das 2. Projekt, ein sogenanntes ZIM-Projekt (Zentrale Innovation Mittelstand, gefördert vom Wirtschafts- und Innovations Ministerium) mit dem Titel: Concrete Fold. Im Fokus: die Entwicklung eines Verfahrens zur Herstellung von Textilbeton-Fassadenplatten, die im feuchten Zustand (im sogenannten Grünstand) mithilfe dieses neuartigen Faltwerkzeugs geformt werden können. Dieses Werkzeug entwickelten wir zusammen mit dem Aachener Ingenieurbüro INGEMA.

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Hier einige Ergebnisse aus der Nutzung dieses Werkzeugs und letztlich die Präsentationswand mit Formelementen aus Textilbeton. Für die Unterstützung dieser Projekte geht mein besonderer Dank an Prof. Thomas Gries, die Architekten Kevin Pidun und Dr. Andreas Koch, sowie an das Aachener Ingenieurbüro INGEMA. Ebenso an unsere Mitarbeiterin Anne Bergerfurth und natürlich auch an alle anderen Beteiligten aus den Konsortien. Die folgenden Forschungsthemen bewegen sich im Verhältnis von digital und analog: In der realen Praxis ist der traditionelle Werkbegriff schon längst durch einen digitalen Werkbegriff erweitert worden. Was bedeutet diese Entwicklung für die künstlerische Grundausbildung und welche Bedeutung haben die direkten physisch-manuellen Erfahrungen im Umgang mit digitalen Werkzeugen? Genau diese Thematik von analog und digital nahmen wir zum Anlass, auf besondere Weise darauf zu reagieren. Unser Wissenschaftlicher Mitarbeiter Joost Meyer fokussierte seine Forschung im Rahmen seiner Doktorarbeit auf das Spannungsfeld von manuellem und digitalem Modellieren, an Hand des Genres

„Selbstportrait“, und stellte diese beiden Verfahrensweisen methodisch gegenüber.

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Hier sehen Sie einige manuell erstellten Ergebnisse gegenüber denen, die im 3-D-Druck hergestellt wurden. Bei der Forschungsarbeit unserer Wissenschaftlichen Mitarbeiterin Birgit Saupe ging es auch um das Modellieren, jedoch unter Zuhilfenahme eines digitalen Modellierwerkzeugs, dessen Entwicklung zum Forschungsgegenstand genommen wurde. In Kooperation mit dem Lehrstuhl für Informatik, untersuchte sie in virtueller Umgebung die Möglichkeiten für den Einsatz und die Anwendung dieses digitalen Werkzeugs. In diesem Kontext danke ich Prof. Thorsten Kuhlen und seinem Team vom IT-Center für die produktive und spannende Zusammenarbeit. Von beiden letztgenannten Forschungsprojekten abschließende konkrete Erkenntnisse hier und jetzt zu verkünden, ist leider noch zu früh. Aber es lässt sich schon jetzt absehen, dass diese hybriden Methoden für viele Anwendungsbereiche von Bedeutung sein werden.

Szenografie

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch kurz einen Bereich vorstellen, der für mich und für viele Studierende eine besondere Bedeutung erlangte, sei es als Master- oder als Bachelorabschlussarbeit. Gemeint ist die Szenografie als Bühnenbildentwurf. Es freute mich als ich erfuhr, dass für manchen Absolventen daraus eine reale Berufsperspektive und

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ein spannendes Tätigkeitsfeld am Theater entstanden war. Wie sehr Bühnenbild und Architektur gleichermaßen von der Idee des Inszenatorischen bestimmt sind, zeigt sich darin, dass viele Architekten auch begnadete Bühnenbildner sind und waren: Denken wir an Karl Friedrich Schinkel, Hans Poelzig, Fritz Schumacher und viele mehr. Sie stehen für die enge Verbindung zur Architektur und der ephemeren Schwester, die vergängliche Bühnenbildkunst. Bei den Recherchen und den Kolloquien hatte wir große Unterstützung von einigen kompetenten Personen, die ich hier würdigend erwähnen und denen ich danken muss: Als da wären, der Kollege Alexander Markschies für die gute Zusammenarbeit bei den Kolloquien und der Bewertung der Projektergebnisse. Ebenso und ganz besonders Dr. Gerald Köhler von der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Uni Köln. Er präsentierte uns auf Schloss Wahn die Schätze dieser Sammlung direkt und hautnah, kompetent und spannend. Weiterhin danke ich dem Chef-Ausstatter Detlef Beaujean für die interessanten Einblicke in die Theater-Werkstätten und in seine persönliche Praxis als Bühnenbildner.

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Und besonderer Dank geht an den Dramaturgen Lukas Popovic, der uns über die Kultur, Geschichte und Dramaturgie jener

„Bretter“ referierte, die „die Welt bedeuten“.

So..,

hier ist die Revue nun zu Ende. Sie sahen, wo ich herkomme und wo ich gestrandet bin. Es wurde deutlich, dass bei den hier gezeigten Projekten und Ergebnissen viele involviert waren. An erster Stelle die Studierenden, deren Kommunikation ich zukünftig mit Sicherheit vermissen werde. Außerdem möchte ich auf keinen Fall vergessen, den vielen studentischen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu danken, genannt die HiWis, die quasi wie Sherpas das Lehrgepäck, die Materialien und Werkzeuge, selbst bei stürmischen Wetterlagen, treu und beständig zum Gipfel brachten. Auch für Eure hilfreiche Rolle in Lehre und Forschung. Ihr ward großartig! Ebenso geht mein Dank an die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Dekanat. An erster Stelle an unsere Ex-Geschäftsführerin Frau Margret Spalding und natürlich auch an die aktuelle Geschäftsführerin Fr. Heinke Fiedler und Ihr Team; ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg bei Eurer Arbeit. Besondere Würdigung gebührt auch diesen beiden Damen, die als emotionale und administrative

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Managerinnen die Geschäfte des Lehrstuhls über Jahre erfolgreich koordinierten: Frau Gudrun Jansen, von 2002 bis 2010 und seit dem Frau Dagmar Königs. Euch Beiden herzlichen Dank dafür! Und letztendlich bleibt mir noch der Fakultät insgesamt für die Zukunft alles Gute zu wünschen, in der Hoffnung, dass die Ansprüche einer generalistischen künstlerischen Grundausbildung weiterhin aufrechterhalten werden können. Den lieben Kollegen und Kolleginnen aus dem Professorium rufe ich zu: Bitte verleugnet nicht Eure Ideale vor den großen Drittmittelerwartungen die an Euch gestellt werden und habt bei allen Entscheidungen bitte immer die große Form im Auge! Kürzlich erfuhr ich in einem sogenannten Ratgeber für Führungskräfte und Manager, dass die optimale Situation in einem Team erreicht sei, wenn man sich als Chef quasi überflüssig macht. Dieser Zustand ist jetzt gekommen! Ich bin dankbar für die 20 Jahre, in denen ich dieser Fakultät dienstbar sein konnte. Aber nun wird es Zeit für mich zu gehen. Was ich aber noch sagen wollte: Vielen Dank an alle, die heute hier zu meinem Abschied gekommen sind und ich freue mich mit Ihnen allen, gleich im Anschluss, die Sektgläser im Foyer erklingen zu lassen!

Also: Hello……… und good bye!