WiSe 2020/21 | ritrova.riesi

  Blick über die Stadt Riesi Urheberrecht: © Chiara Erhardt und Luca Steinert
 
 

ritrova.riesi | Impulse und Handlungsstrategien für die Stadt Riesi

Masterarbeit von Chiara Erhardt und Luca Steinert

Riesi ist eine Kleinstadt im Inland Siziliens und gehört zu der Provinz Caltanissetta. Lange war der Ort bekannt für den Schwefelabbau, der der Stadt bis in die 1960er Jahre relativen Wohlstand brachte. Riesi gehört heute zu einem der Orte Europas, die eine hohe Abwanderung erfahren und mit Leerstand konfrontiert sind. So sind von ca. 20.400 Einwohnern im Jahr 1930 noch ca. 10.000 Einwohner im Jahr 2020 in der Stadt geblieben. Die wirtschaftlichen Säulen des Ortes und der Umgebung liegen neben der Dienstleistung vor allem in landwirtschaftlichen Betrieben.

Bei diesem Projekt steht der Prozess im Vordergrund: Nach zwei Jahren Auseinandersetzung mit Riesi wurde im Jahr 2020 eine gezielte Forschungsfrage formuliert. Welchen Beitrag kann Architektur als Baustein für mögliche Handlungsstrategien einer schrumpfenden Stadt bieten? Es wurde klar, dass architektonische Entwürfe im Umgang mit verlassenen Gebäuden in eine gesamte Strategie eingebettet werden müssen, um "über sich hinaus" zu wirken.

Im Laufe der Industrialisierung, als sich die Großstädte Europas zu wichtigen Industriezentren entwickelten, galt Wachstum als universelles Muster der Stadtentwicklung. Diese These prägt heute noch die Diskussion der westlichen Stadtentwicklung, in der stets vom uneingeschränkten Wachstum ausgegangen wird, obwohl spätestens seit dem Übergang vom Fordismus zum Post-Fordismus in peripheren Gebieten kleinere Städte schrumpfen.

Da konventionelle, wachstumsorientierte Konzepte für schrumpfende Städte nicht greifen können, weil die Grundvoraussetzung – wirtschaftliches Wachstum – nicht erfüllt wird, wurde eine alternative Herangehensweise gewählt.

Centro Culturale Canale und Cineteatro Italia
Der Entwurf befasst sich mit der Reaktivierung und Erweiterung des verlassenen Kinos aus den 1920er Jahren zu einem kulturellen Zentrum der Stadt und der Erschließung des umliegenden Stadtteils Canale. Als Auftakt der Entwurfslandschaft schließt ein Neubau am oberen Ende der anliegenden Treppe an das Rückgrat der Stadt an. Ein runder Turm, der sich markant an den Neubau anschließt, ragt dabei markant aus den umliegenden Gebäuden hervor und dient als Wahrzeichen für den Ort.

Es soll die Ähnlichkeitsräume der Stadt verkörpern und den Ort erlebbar machen, der heute als Unort ein Nicht-Ort geworden ist. Als Vermittler zwischen der Landschaft und der Stadt stärkt es ihr Rückgrat und gewinnt für die Stadt einen zentralen öffentlichen Raum zurück.

Palazzo Cappadona und der Cortile degli Archi
Der Entwurf behandelt das Grundstück des ursprünglichen Palazzo Cappadona im Zentrum Riesis. Von der ursprünglichen Form ist nur der nördliche Flügel erhalten, während der Süd- und Westteil des Gebäudes umgebaut und teilweise eingestürzt ist. Der Entwurf sieht die Verbindung dieser drei Teile vor. Ziel des Eingriffs ist es, den historischen Wert des Palazzo Cappadona wieder sichtbar zu machen und durch eine Ergänzung ein Element des Stadtzentrums zu einem interaktiven Raum werden zu lassen und städtische Öffentlichkeit zu stärken. Durch die Nähe zur Piazza Garibaldi, kann von diesem bestehenden Impuls profitiert und seine Strahlkraft für das Zentrum verstärkt werden.

Die deutschsprachige Version der Online-Publikation der Masterarbeit ist fortan auf RWTH Publications verfügbar.

 
 

Pläne und Perspektiven


 
 

Betreuung

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Anke Naujokat (Prüfung)
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Anne-Julchen Bernhardt (Co-Prüfung)
Dipl.-Ing. Architektin Verena Hake